„In einer besseren Welt“

Originaltitel: "Hævnen" (‚Die Rache‘) 09. Januar | 02:05 | Das Erste

In einer besseren Welt
Christian (William Jöhnk Nielsen, re.) sinnt auf Rache und hört nicht auf seinen Vater Claus (Ulrich Thomsen). | © ARD Degeto/Universum

Würden alle Menschen so ticken wie der grenzenlos altruistische Arzt Anton, könnten wir vielleicht in einer besseren Welt leben. Doch schon in seiner nächsten Umgebung beginnt die Realität ihr grausames Spiel – ausgerechnet mit seinem Sohn …

Dr. Anton arbeitet hin und wieder in einen afrikanischen Savannenspital und dort versucht er unter schwierigen Umständen die Folgen der Konflikte zu heilen. Er und sein Team retten so manches Opfer der irre geleiteten rituellen Handlungen oder der Kampfverletzungen.

Tausende Kilometer entfernt, in Antons Wahlheimat Dänemark, kämpft dessen 12-jähriger Sohn Elias seinen eigenen Kampf gegen Mobbing in der Schule. Denn er sei „ein Rattengesicht“ und müsse stets verprügelt werden. Zumindest einer der kleinen Terroristen unterdrückt Elias grausam.

Zurückschlagen, dann ist Ruhe!

Elias hat sich bereits damit abgefunden. Da kommt eine neuer Schüler namens Christian in die Klasse und begegnet dem ewig Verspotteten völlig fair und gar freundschaftlich.

Eines Tages, als Elias wieder vom Rädelsführer der Mobbing-Gang verhauen wird, erscheint plötzlich Christian mit einer Fahrradpumpe und verprügelt den Peiniger!
Jener, doch deutlich größere Junge liegt schnell wimmernd und blutverschmiert am Boden, als Christian ihm auch noch ein Messer an die Kehle drückt. Ab diesen Tag hat Elias seine Ruhe …

In einer besseren Welt
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Eines Tages, Arzt Anton ist wieder einmal zuhause, kümmert sich um Elias, sowie dessen kleineren Bruder und nimmt auch Elias´neuen Freund und Beschützer Christian zu einem Ausflug mit.
Kurz darauf beginnen der kleine Bruder und ein fremder, gleichaltriger Bub einen harmlose Rangelei in der Sandkiste. Vater Anton schreitet zum „Streit“ schlichten und trennt die beiden Buben behutsam, fragt nach den Gründen … alles völlig in Ruhe und harmlos.

Plötzlich stürmt ein zornentbrannter Mann auf Anton zu. Lars, so der Vater des anderen Buben, beginnt Anton zu beschimpfen und zu bedrohen. Und trotz der Ruhe, welche Anton ausstrahlt, schlägt Lars zu!
Und Anton wehrt sich nicht einmal …

Ist Anton ein „Weichei“?

Elias und Christian verstehen diese Reaktion nicht, denn sie lernten erst kürzlich: Man muss sich wehren, zurückschlagen und dann ist Ruhe!
Vater Anton ist da anderer Meinung und versucht den Kindern zu erklären, das ihm diese „Ohrfeige“ zum einen nicht weh tat, und zum anderen wäre der aggressive Mann der Verlierer.

Die beiden Jungs akzeptieren das nicht. Vor allem Christian, der seit dem Krebstod seiner Mutter verschlossen und aggressiv ist, plant eine Racheaktion gegen Lars. Elias ist anfangs weniger von der wilden Art seines neuen Freundes begeistert, fügt sich aber doch.
Er will ja nicht als Weichei wie sein Vater gelten und bevor die Freundschaft der beiden beinahe an dem Gewissenskonflikt zerbricht, macht Elias mit.

In einer besseren Welt
Der Arzt Anton (Mikael Persbrandt) muss sich der Gewalt in Afrika stellen, wo er in einem Savannenhospital die Folgen der Konflikte zu heilen versucht | © ARD Degeto/Universum

Beeindruckender Mut

Anton musste wieder in den Sudan, als plötzlich der grausamste Warlords der Gegend schwer verletzt in sein Camp gebracht wird! Ausgerechnet jener Terrorist, der dem Arzt die meisten verstümmelten Opfer bescherte. Jener, der die Mädchen aufschlitzte und sterbend in der Wüste liegen lies!

Die bis an die Zähne bewaffnete Eskorte des Verbrechers soll dessen Wunsch nach Behandlung unterstreichen. Aber Anton schmeißt jedoch die Bewaffneten alle aus dem Lager! Dennoch verweigert er dem Warlord die Behandlung nicht.

Das ändert sich rapide, als sich der Verbrecher über seine Opfer lustig macht – da schmeißt Anton auch den aus dem Lager und sieht kalt zu, wie der Warlord von den Menschen zu Tode geprügelt wird.

Endspiel mit Bombe

Man ist in dem Film noch beeindruckt von dem Mut des „Weicheis“, als sich zuhause eine Katastrophe anbahnt:

Die beiden rachsüchtigen Jungs basteln nämlich bereits an einer Autobombe!
Ab dem Zeitpunkt der Zündung geht aber alles schief und es kommt beinahe zu einer Tragödie!

Elias verhindert diese aber in letzter Sekunde – doch nach dem sich der Rauch verzieht, liegt er leblos auf der Straße. Christian ist so geschockt und will ohne seinen Freund nicht mehr leben, klettert auf einen hohen Silo!

Schließlich liegt es wieder an „Weichei“ Anton, welcher eben angereist war – die aussichtslos erscheinende Situation zu einem unerwarteten Ende zu führen …


Besetzung und Stab

Anton: Mikael Persbrandt (Der Arzt)
Elias: Markus Rygaard (Sohn von Anton)
Christian: William Johnk Nielsen (Elias Freund, Sohn von Claus)
Claus: Ulrich Thomsen (Christians Vater)
Lars: Kim Bodnia (Aggressiver Mann)
Marianne: Trine Dyrholm (Antons Frau, von ihm getrennt lebend)

Regie: Susanne Bier
Musik: Johan Söderqvist
Kamera: Morten Søborg
Buch: Anders Thomas Jensen

Dänemark 2010 | Drama | 119 min.

2011 Oscar als Bester fremdsprachiger Film


„Auge um Auge“ oder „die andere Backe hinhalten“?

Der Film „In einer besseren Welt„, Originaltitel: „Hævnen (‚Die Rache‘)“ wird von Kritikern, TV-Redakteuren und eigentlich fast allen, die ihn sahen, gleichermaßen als genial bezeichnet. Das ist eigentlich selten – doch gerechtfertigt.

Denn man sitzt nach dem Ende noch ein Weile sehr nachdenklich da, wägt das für und wider ab. Ist Gewalt, zurückschlagen eine Lösung oder nicht?
Wie weit darf Rache gehen?
Reicht eine kräftige, intelligent durchdachte Retourkutsche oder muss man Aggressoren, Mobber uä. Streitsüchtige wirklich ausradieren?

Sicher, man darf sich nicht alles gefallen lassen, einige Aggressoren stachelt das noch mehr an.
Andererseits eskaliert die Sache auch schnell und endet in vielen Fällen erst damit, wenn einer der Kontrahenten schwer verletzt oder gar tot ist. Alles schon vorgekommen, die Medien sind voll solcher Fälle.

In dem Film kommt es zum äußersten und dennoch endet die Spirale der Gewalt nicht wirklich, der vermeintlich erfolgreiche Rächer verliert damit anscheinend das wertvollste auf der Welt: Seinen Freund.

„Das Wunder des Ärgerns“

Filme mit Botschaft und Tiefgang erzählen uns oft von Menschen, denen andere übel mitspielten. Darin spielen die Drehbuchautoren alle möglichen Szenarien durch; diese gehen von Fluchtreaktion bis eben zum blutigen Rachefeldzug. Dabei wird deutlich, dass „Auge um Auge, Zahn um Zahn“ nicht immer das beste Mittel ist. Aber man sieht auch, wohin das „hinhalten der anderen Backe“ führen kann.

Es ist nun mal des Menschen Natur, sich zu wehren, es ist einfach eine instinktive Reaktion.
So wie sich die Pupillen verengen, wenn uns grelles Licht trifft, so wie man einem unerwarteten Schlag ausweicht, pariert – so will auch der bewusste Verstand eine Reaktion haben.

Doch im Gegensatz zum Instinkt sollte der Verstand die tatsächlich angemessene Reaktion planen können und dürfen …

Es passt evtl. nicht zu einem so ernsten Thema und so einen aufwühlenden Film – aber der beste Komiker unserer Zeit hat mal genau das oben erwähnte so erzählt: Otto Waalkes legendäre Abhandlung über den menschlichen Körper, wo er „das Wundern des Ärgerns“ analysiert.